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Chaos, Übermüdung und triumphale Siegeszüge

Am Samstag, den 04.03.2023, ging die Landesschulschachmeisterschaft Schleswig-Holsteins über die Bühne. Insgesamt 47 Teams traten in vier verschiedenen Gruppenturnieren gegeneinander an und spielten sowohl die Landessieger als auch die Qualifikanten zur Deutschen Schulschachmeisterschaft aus.

Es gibt leider keinen Weg, die Organisationsbedingungen schön zu reden – sie waren objektiv gesehen suboptimal. Es fing damit an, dass bedauerlicherweise der Schulschachreferent im Januar zurücktrat, sodass wir zu diesem Zeitpunkt terminlich unter Druck standen. Es gab weder eine Ausschreibung noch eine ausrichtende Schule. Umso erstaunlichere Arbeit wurde geleistet, als beides dann Ende Januar präsentiert werden konnte und damit die Ausrichtung fest stand. Unglücklicherweise erreichte dann die Ausschreibung einige Schulen nicht mehr, da diese oftmals vom Bildungsministerium informiert werden.

Doch das war noch nicht das Ende der Probleme. Es fehlte noch ein Organisationsteam sowie helfende Hände beim Turnier. Die Orga übernahmen dann Christian Lohrie, Lukas und ich im Dreigespann im Vorfeld und versuchten, die notwendigen Materialien zu organisieren. Doch Manpower zu rekrutieren, erwies sich als ein bisschen schwieriger, denn im Schulschach ist das Netzwerk nicht so stark ausgebaut wie bei anderen Turnieren – ein Umstand, den ich behebn möchte, sollte ich auf der Jahreshauptversammlung als Schulschachreferent bestätigt werden. Letzten Endes planten wir mit sieben Mann, die Meisterschaft mit 300 teilnehmenden Personen sowie Betreuenden und Eltern durchzuziehen.

Zu allem Unglück fiel am Tag der Veranstaltung auch noch Christian aus, sodass wir nicht nur zwei wichtige helfende Hände, sondern auch den Turnierleiter kurzfristig ersetzen mussten. Nachts um zwei Uhr wurden noch die aktuellen Anmeldestände hin- und hergeschoben und Medaillen beklebt. Mit 3,5 (ich) bzw. knapp zwei Stunden Schlaf (Lukas, der noch auf einen Weckdienst in Form von Fynn Lasse Matzen bauen musste) gingen wir dann "leicht" übermüdet in diese Herkulesaufgabe hinein. Dass bei dieser Unterbesetzung und nicht geplanten B-Lösungen dann am Turniertag auch noch die Technik streiken musste, versteht sich das dann laut Murphy's Law schon fast von selbst.

Nach all diesen Startschwierigkeiten ging es dann auch irgendwann los mit Schachspielen. Die WK V der Grundschüler*innen stellte mit 20 Teams das traditionell größte Teilnehmerfeld, dicht gefolgt von der WK IV mit 17 Mannschaften.

Auffällig war in diesem Jahr, dass in jeder WK das siegreiche Team die Konkurrenz geradezu pulverisierte. Jeder Landessieger marschierte mit einem perfekten 14 aus 7-Ergebnis durch das Feld und gab nur 2,5 (WK V, WK III), 1,5 (WK IV), bzw 9 (WK II – dort spielten jedoch auch 6er Teams) Brettpunkte ab. In der Regel bestand der Abstand auf die nächste Schule – oder im Fall der WK III auf sich selbst – vier Punkte.

 

Somit haben wir in diesem Jahr folgende Landesmeister:

WK V: Stadtschule Bad Oldesloe

WK V M: Schule am Stadtpark

WK IV: Katharineum zu Lübeck

WK III: Johanneum zu Lübeck

WK II: Ernestinenschule Lübeck

WK M: Johanneum zu Lübeck

Meinen herzlichen Glückwunsch an alle Sieger*innen zu diesem großartigen Erfolg! Hier gibt es noch die weiteren Ergebnisse in den einzelnen Wettkampfklassen zu sehen. Um auch alle weiteren Teilnehmenden zu ehren, gaben wir am Ende der Veranstaltung Medaillen für alle Kinder und Jugendliche aus, sodass niemand mit leeren Händen nach Hause gehen musste.

Natürlich dürfen die Kuriositäten, die ein Schulschachturnier mit sich bringt, in diesem Bericht nicht fehlen. Der Klassiker: Irgendwann besaß natürlich ein Spieler zwei gleichfarbige Läufer, das ist ja fast schon langweilig. Etwas seltender ist da der Matchverlauf, den ein Team innerhalb weniger Minuten durch 4x Schäfermatt mit 4:0 für sich entschied. Das erleichtert selbstverständlich die Arbeit der Schiedsrichter, die sich somit raffinierteren Problem stellen konnten. Folgender Dialog fand während einer Partie statt:

Kind A: "Dein König hat da eine komische grüne Stelle!"

Kind B: Fasst seinen König an und möchte nachscha...

Kind A: "BERÜHRT GEFÜHRT!!!"

Interessant zu wissen, dass auch dieser Trick noch, knapp 25 Jahre, nachdem ich ihm zum ersten Mal "zum Opfer" fiel, immer noch ausprobiert wird.

Ein besonderer Dank zur Umsetzung geht an enorm viele Menschen heraus: Den Helfern, die von der SJSH als Schiedsrichter zum Teil sehr spontan gewonnen werden konnten und mitgemacht haben. Holger Hansen und seiner Klaus-Groth-Schule für die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie dem umfangreichen Catering-Service. Heike Friedrich von der KSI und Martin Reinke von der SVSH zur Bereitstellung des Spielmaterials. Allen Betreuenden, die Hilfe bei der Unterstützung anboten und damit den Ablauf des Turnieres deutlich erleichterten. Allen, die beim Auf- und Abbau mitgewirkt haben. Allen, die sich sonst noch bedankt fühlen möchten und die ich bedauerlicherweise vergaß. Und natürlich: Allen schachspielenden Kindern, Schach-AG-Leitern etc.., die es erst ermöglichten, dass ein Schachturnier dieser Größenordnung zustande kommen konnte. Vielen, vielen Dank!

Nach diesem anstrengenden Tag werde ich mich frei nach Per Mertesacker drei Tage lang in die Eistonne legen und sehe danach weiter!

Bis dahin,

Dennis Papesch